Teilabriss Hauptbahnhof Stuttgart

Hauptwerk des Architekten Paul Bonatz in Gefahr

Quelle: Wikipedia

Während in ganz Deutschland über das Für und Wieder von Rekonstruktionen diskutiert wird und immer mehr verlorene Bauten in scheinbar historischer Manier wieder errichtet werden – wie als prominenteste Beispiele die Stadtschlösser von Braunschweig („Shopping Mall“), Berlin („Humboldt-Forum“) und Potsdam („Landtag“), drohen nicht nur gleichzeitig ganze Kulturlandschaften zu verwahrlosen (z. B. die Schlösserlandschaft von Sachsen-Anhalt und Mechlenburg-Vorpommern), auch werden wertvolle Denkmalensembles durch Abrisse vernichtet, oder aber durch Teilabriss entscheidend in ihrer Denkmalsubstanz beeinträchtigt.

Aktuell betrifft dies nun den Hauptbahnhof von Stuttgart, der von 1914 bis 1927 durch die Architekten Paul Bonatz (1877-1956) und Friedrich Eugen Scholer (1874–1949) unter dem Projektnamen „umbilicus sueviae“ („Nabel Schwabens“) errichtet wurde. Als eine der Inkunabeln der frühen Moderne in Deutschland, ist es auch eines der prägnantesten Wahrzeichen der schwäbischen Metropole. Nachdem der Zweite Weltkrieg bereits große Teile der historischen Innenstadt zerstört hat und später folgende Abrisse (z. B. 1960 das Kaufhaus Schocken von Erich Mendelsohn) die Denkmalsubstanz immer weiter reduziert haben, wird nun ein weiteres Ensemble des Bahnhofsviertels profitorientiertem Wirtschaftsinteresse und einem umstrittenenen Verkehrskonzept geopfert. Dieses von den Betreibern euphemistisch als „größtes Ausbaukonzept für den öffentlichen Schienenverkehr in Baden-Württemberg seit dem 19. Jahrhundert“ angepriesen, trägt den programmatischen Namen „Stuttgart 21“.

Zwar wird bei diesem Gesamtumbau des Bahnhofsviertels die bekannte Hauptfassade des Bonatz-Baues erhalten bleiben, doch müssen die zum Ensemble unverzichtbar dazugehörenden Flügelbauten in der „Bauphase 3“ einer Shoppingmall weichen, die anstelle der historischen Kopfbahnsteighalle entstehen wird. Der Gleiskörper, der derzeit noch unmittelbar an diese anschließt, wird weiter aus dem Bahnhofskomplex herausgeschoben. Infolgedessen schließt dieser unmittelbar an das neue Einkaufszentrum an. Der historische Charakter des Bahnhofs als Verkehrsknotenpunkt wird dadurch den heutigen Gesetzmäßigkeiten der Marktwirtschaft untergeordnet.

Als Investoren dieses längst auch in der Öffentlichkeit umstrittenen Vorhabens treten laut Internetpräsenation das Land Baden-Württemberg, die Landeshauptstadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart, die Deutsche Bahn AG und der Bund auf.

Wiedereinmal scheint es weder den Investoren noch den Architekten zu gelingen, historisch wertvolle Bausubstanz mit innovativ-neuen Ideen zu verknüpfen – und damit nicht nur den historische relevanten Denkmalbestand zu behalten, sondern diesen mit einer zukünftig denkmalwerten Architektur zu verbinden.

Zur weiteren Information dazu:

 

Was ist die Stuttgarter Denkart? (Stuttgarter Nachrichten)

Stuttgart 21 (Wikipedia)

Stuttgart 21 - Geteiltes Echo auf die neue Kalkulation (Stuttgarter Zeitung)

Bahnprojekt Stuttgart21 (Projektseite der Deutschen Bahn

http://www.stuttgart21.de/site/stuttgart21/de/projekt/projekt.html

k 21 - Blog zur Schichtung



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