Das schlesische Elysium

Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal

Koautorin Katrin Schulze

Schlesien, das Brückenland zwischen West- und Osteuropa erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei deutschen und polnischen Kulturreisenden. Dies hat seine Ursache in der vielfältigen Geschichte des Landes unter polnisch-piastischer, böhmischer, habsburgischer, dann preußischer und bis 1945 deutscher Hoheit und der damit verbundenen ausgesprochen vielschichtigen Kulturlandschaft, in der eine fast unübersehbare Zahl an wertvollen Baudenkmälern aus mehr als acht Jahrhunderten zu finden ist.

Ein repräsentativer Ausschnitt, gleichzeitig eine der schönsten Regionen des Landes, ist dabei das Hirschberger Tal, das zunächst durch seine landschaftlichen Höhepunkte besticht, die, im wahrsten Sinne des Wortes, in der Riesengebirgskette gipfeln. Schon seit dem späten 18. Jahrhundert war das Hirschberger Tal Ziel zahlreicher Künstler, darunter die vornehmlich in Görlitz wirkenden Grafiker Görlitzer Christoph Nathe und Johann Gottfried Schulz, der Maler Carl Christoph Reinhardt oder später Caspar David Friedrich und Adrian Ludwig Richter, die die „Imposante Landschaft“ darstellten. Deren Werke wurden zum Teil durch Massengrafiken überall in Deutschland vertrieben, so dass sich die Kunde von der landschaftlichen Schönheit der Region rasch verbreitete. Bald wurde das Tal auch Ziel von Dichtern, Schriftstellern und Kulturreisenden, deren klangvolle Namen wie Johann Wolfgang von Goethe, Theodor Körner, Alexander von Humboldt und Theodor Fontane, später dann natürlich auch Gerhart und Carl Hauptmann sich in die Geschichte des Tals eingeschrieben haben.Schon bald begann auch das preußische Königshaus, das Tal als Sommerfrische zu entdecken. Neben einer Vielzahl alter angestammter Adelssitze, insgesamt vierzig Burgen, Herrenhäuser und Schlösser, von denen die Residenz der Grafen von Schaffgotsch in Bad Warmbrunn/Cieplice die größte war, entstanden nun mit dem Kauf von Schloss Fischbach/Karpniki durch den Prinzen Wilhelm 1822, dem Schloss des verstorbenen Grafen Neidhardt von Gneisenau in Erdmannsdorf/Mysłakowice sowie dem 1838 für Prinzessin Luise erworbenen Schloss Schildau/Wojanów drei reich ausgestattete Sommersitze der Hohenzollern. Eingebettet in großartige Parkanlagen, zum Teil nach Entwürfen des preußischen Gartenbaudirektors Peter Joseph Lenné gestaltet, wurden sie unter Einfluss der besten preußischen Architekten wie Karl Friedrich Schinkel und Friedrich August Stüler umgebaut und erweitert. Schon bald eiferten die anderen Schlossherren, darunter die prinzliche Familie von Reuß in Stonsdorf/Staniszów und Neuhof/Nowy Dwór, die Grafen von Stolberg-Wernigerode auf Schloss Jannowitz/Janowice Wielkie, die Grafen Matuschka aus Arnsdorf/Miłków oder die Familie von Küster auf Gut Lomnitz/Łomnica der königlichen Familie nach, so dass das Tal, inzwischen bekannt als „Schlesisches Elysium“, zu einer der bemerkenswertesten Kunstlandschaften Ostmitteleuropas heranwuchs.

Mit dem Ende des 2. Weltkriegs, der mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Schlesien einherging, endete auch die rund 800-jährige kulturelle Kontinuität des Landes. Polnische Neusiedler, die nur wenig Bewusstsein für das kulturelle Erbe des Landes hatten, bezogen nun einige Schlösser und Herrenhäuser, während die meisten für staatliche Aufgaben, wie Schulen, Kinderheime oder Verwaltungssitze der Staatsgüter genutzt, einige auch, wie beispielsweise das barocke Schloss Maiwaldau/Maciejowa, abgebrochen wurden. Immerhin blieb der überwiegende Teil der einst herrschaftlichen Häuser, wenn auch aufgrund fehlender Baupflege völlig verwahrlost, erhalten. Erst mit der politischen Wende in Ostmitteleuropa besann man sich auch auf die kulturellen, aber auch wirtschaftlichen und touristischen Werte dieser Schlösser- und Parklandschaft in Polen und begann mit Hilfe zahlreicher privater und kommunaler Initiativen, das gemeinsame kulturelle Erbe von Deutschen und Polen dem Dämmerschlaf zu entreißen.

Der 2004 publizierte, mittlerweile bereits in dritter erweiterter Ausgabe vorliegende kunsthistorische Führer „Das schlesische Elysium“ widmet sich jedem der vierzig Burgen, Schlösser und Herrenhäuser mit einer ausführlichen Beschreibung, einem Abriss seiner Geschichte sowie zahlreichen historischen und aktuellen Ansichten. Neben Hinweisen zur Lokalisierung und zur Besichtigung der Baudenkmäler enthält das Buch bebilderte Personenbiographien, ein Glossar der verwendeten Fachbegriffe sowie ein ausführliches Literaturverzeichnis. 

Arne Franke und Katrin Schulze: Das schlesische Elysium
Burgen, Schlösser, Herrenhäuser und Parks im Hirschberger Tal
Deutsches Kulturforum östliches Europa (3. erweiterte und überarbeitete Auflage/2008)

226 Seiten
zahlreiche farbige und schwarzweiße Ansichten, Grundrisse
Format 15 x 19 cm
Gebundene Ausgabe
ISBN: 978-3-936168-54-9
Preis: 19,80 €